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FreqSense · Referenz

Welche Funkfrequenzen in Deutschland noch frei sind — und welche nicht mehr.

Nach zwei Digitalen Dividenden ist das UHF-Band schmaler geworden, aber planbar geblieben. Diese Seite listet die anmeldefreien Bereiche für Funkmikrofone und IEM in Deutschland — mit den Zahlen, die FreqSense selbst rendert, und der Praxis dazu: erst scannen, dann koordinieren.

Diese Seite ist Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die aktuellen Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur — Frequenznutzungen ändern sich, und im Zweifel gilt die Verfügung, nicht diese Seite.

Die Lage 2026: schmaler, aber planbar

Zwei Digitale Dividenden haben das UHF-Band für drahtlose Produktionstechnik (PMSE) kräftig beschnitten: Erst ging der Bereich oberhalb 790 MHz an LTE, dann räumte die 700-MHz-Versteigerung alles oberhalb von 694 MHz für den Mobilfunk. Übrig geblieben ist ein klar umrissener Plan — und der ist, anders als sein Ruf, gut nutzbar: Der Kernbereich 470–694 MHz steht Funkmikrofonen und IEM in Deutschland anmeldefrei zur Verfügung, per Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur (Vfg. 37/2026).

Das TV-Raster darunter ist simpel: 8-MHz-Kanäle, Kanal 21 beginnt bei 470 MHz (Startfrequenz = 470 + (N − 21) × 8). Kanal 21–48 sind der Whitespace-Bereich bis 694 MHz; Kanal 49–60 gehören dem Mobilfunk. Wer koordiniert, sucht die freien Lücken zwischen den lokal belegten DVB-T2-Kanälen — genau das rechnet FreqSense.

Anmeldefreie Bereiche für Funkmikrofone & IEM

Alle Bereiche unterliegen der Allgemeinzuteilung — nutzbar ohne individuelle Anmeldung, aber mit Auflagen.

BereichWas das istAuflagen
174–230 MHzVHF Band IIIAnmeldefrei (Vfg. 37/2026), max. 50 mW
470–608 MHzUHF-TV-WhitespaceAnmeldefrei; koprimär mit DVB-T2 — lokale Kanalbelegung prüfen. Optionale Einzelkoordinierung über das BNetzA-Portal für Großveranstaltungen
614–694 MHzUHF oberhalb 614 MHzAnmeldefrei; koprimär mit DVB-T2. Obergrenze ist die 694-MHz-Grenze der Digitalen Dividende
823–832 MHz800-MHz-DuplexlückeAnmeldefrei, max. 20 mW EIRP
863–865 MHzSRD/ISMAnmeldefrei, max. 10 mW ERP
1785–1805 MHz1,8-GHz-PMSE („Mittenlücke“)Anmeldefrei, max. 50 mW EIRP für körpernahe / Handheld-Systeme

Auffällig: 608–614 MHz tauchen in der Liste nicht auf — die Allgemeinzuteilung führt 470–608 und 614–694 als getrennte Bereiche. Wer wideband plant, plant um diese Lücke herum.

Gesperrt: die Mobilfunk-Nachbarn

Direkt neben jedem freien Fenster sitzt heute LTE oder 5G. Diese Bereiche sind für PMSE tabu — und sie sind der Grund, warum ein Scan vor Ort Pflicht ist.

BereichBelegung
694–700 MHz700-MHz-Bandkante — für 5G NR n28 geräumt. Kein PMSE
700–823 MHzLTE Band 20 / 5G NR n28. Kein PMSE
832–862 MHzLTE Band 20 Uplink — hier senden die Handys im Publikum. Kein PMSE
865–960 MHzGSM / LTE Band 8. Kein PMSE

Die 700-MHz-Räumung ist damit endgültig: Wer noch Strecken aus der Zeit vor der Versteigerung im Case hat (Stimmbereich oberhalb 694 MHz), betreibt sie in Deutschland illegal — und praktisch nutzlos, denn gegen eine 5G-Basisstation gewinnt kein Taschensender. Einzige Ausnahme im geräumten Bereich ist die Duplexlücke 823–832 MHz.

Duplexlücke, Mittenlücke, DECT — die Ausweichbänder

  • Die Duplexlücke (823–832 MHz) liegt zwischen LTE-Downlink und -Uplink des Band 20. Neun MHz, 20 mW — genug für eine Handvoll Strecken, aber mit starken Nachbarn: Sobald im Saal telefoniert wird, sendet der Uplink direkt oberhalb. Squelch und Antennenabstand ernst nehmen.
  • Die 1,8-GHz-Mittenlücke (1785–1805 MHz) bietet 20 MHz anmeldefreien Raum mit bis zu 50 mW — interessant für digitale Systeme. Die Ausbreitung ist spürbar schlechter als im UHF-Band: mehr Dämpfung durch Körper und Kulisse, Sichtverbindung zur Antenne wird wichtiger.
  • DECT-basierte Systeme (viele Konferenz- und Budget-Vokalstrecken) laufen in ihrem eigenen, geschützten Band oberhalb der Mittenlücke, anmeldefrei und selbstkoordinierend — sie tauchen im UHF-Plan gar nicht erst auf, koordinieren aber auch nicht mit ihm.
  • 863–865 MHz sind ehrlich gerechnet zwei Megahertz mit 10 mW — der Bereich, in dem sich sämtliche Budget-Funkstrecken drängeln. Für eine einzelne Strecke im Proberaum in Ordnung, für eine Produktion keine Basis.

Praxis: erst scannen, dann koordinieren

  • Vor Ort scannen — mit PA und Licht an, nicht aus. Der RF-Noise-Floor eines leeren Saals lügt.
  • Intermodulation rechnen, nicht hören: Zwei starke Sender erzeugen IM3-Produkte bei 2f₁−f₂ und 2f₂−f₁ — genau dort, wo sonst der dritte Kanal läge. FreqSense markiert diese Zonen automatisch.
  • Taschensender vom Empfänger fernhalten (mindestens 5 m) und TX-Packs backstage nicht auf einem Haufen lagern.
  • US-Gerät in Deutschland: Part-74-Strecken senden mit bis zu 250 mW — erlaubt sind hier 50 mW. Leistung reduzieren oder lokal konformes Material einsetzen.
  • Regionswahl im Tool muss dem Land entsprechen, in dem man physisch steht — „lief beim letzten Gig“ ist kein Frequenzplan.

Häufige Fragen

Brauche ich für Funkmikrofone in Deutschland eine Anmeldung?

In den oben gelisteten Bereichen: nein. Die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur (Vfg. 37/2026) deckt 174–230, 470–608, 614–694, 823–832, 863–865 und 1785–1805 MHz anmeldefrei ab. Für Großveranstaltungen mit hoher Streckendichte gibt es im Bereich 470–608 MHz eine optionale Einzelkoordinierung über das BNetzA-Portal.

Darf ich meine alte 700-MHz-Funkstrecke noch benutzen?

Nein. Oberhalb von 694 MHz ist bis auf die Duplexlücke 823–832 MHz alles an den Mobilfunk gegangen (5G NR n28, LTE Band 20). Alte Strecken mit Stimmbereich in diesem Fenster gehören umgebaut oder ausgemustert.

Was ist die Duplexlücke?

Der 9 MHz breite Bereich 823–832 MHz zwischen Downlink und Uplink des LTE Band 20. Er ist per Allgemeinzuteilung anmeldefrei für PMSE nutzbar, mit maximal 20 mW EIRP — ein brauchbares Ausweichband, solange man die starken LTE-Nachbarn einkalkuliert.

Reichen 863–865 MHz nicht einfach aus?

Für eine einzelne Strecke vielleicht. Der Bereich ist aber nur 2 MHz breit, auf 10 mW ERP begrenzt und europaweit der Sammelplatz aller Budget-Systeme — auf einer Veranstaltung mit mehreren Gewerken ist er zuverlässig verstopft.

Gilt der deutsche Plan auch in Österreich und der Schweiz?

Ähnlich, aber nicht identisch. Österreich stellt 470–694 MHz per Allgemeingenehmigung (§33 TKG 2021) frei, die Schweiz 470–608 und 614–694 MHz über die BAKOM-Allgemeinzuteilung. Wer die Grenze quert, prüft den Plan des Ziellandes — FreqSense führt beide Regelwerke in seinen Regulierungsdaten.

FreqSense · Referenz

Die Fenster nicht merken — berechnen lassen.

FreqSense ist kostenlos: belegte TV-Kanäle, Intermod-Gefahrenzonen und freie Koordinationsfenster für DE, UK, US und EU — inklusive Scan-Import und A4-Felddokument für den Venue-Ordner.

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